Der Anleger- und Psycho-Zyklus

Der Anleger-Zyklus
Vor „Urzeiten“ haben wir den Anleger-Zyklus in der WIRTSCHAFTSINFORMATION abgebildet. Es handelt sich um einen alten Klassiker, der in den Grundzügen nichts von seiner Aussagekraft verloren hat. Obwohl, in der heutigen, tendenziell ziemlich wirren Zeit, mit exorbitant hohen Verschuldungsquoten (Privathaushalte wie öffentliche Hand), unberechenbaren Politgremien/-Parteien, ultratiefen Zinsen, Handels-Streitigkeiten unter Ländern, Protektionismus, längst übertriebener Regulierung, Globalisierung, etc., scheinen viele „alteingesessene“, bewährte Marktmechanismen ausgehebelt… und sind es oft auch!

Hält der eher psychologisch angehauchte Anleger-Zyklus diesen Gegebenheiten noch stand? Im Grossen und Ganzen meinen wir: Ja! Sicherlich ist es nicht falsch, die auf der Seite 2 dargestellte Grafik von Zeit zu Zeit mal wieder auf den Schreibtisch zu legen und die Chartlinie mit dem jeweils aktuellen Börsenstand, den zurückliegenden Tatsachen sowie den bevorstehenden Tendenzen zu vergleichen.

Wir halten fest, dass dies keine eigentliche Anleitung für einen konkreten Anlageentscheid darstellt. Wir verknüpfen auch keine Gewähr mit der Entwicklungskurve, dass sich die eingezeichneten Stufen in dieser Reihenfolge abspielen werden. Man findet sich trotzdem immer wieder auf der einen oder anderen Stufe, mindestens in der mentalen Empfindung.
Die Entwicklungskurve bestätigt zudem, dass sich antizyklisches Verhalten durchaus bezahlt machen kann. In der Hausse ist es jedenfalls oft leicht, Anleger von einem „aussichtsreichen“ Kauf zu überzeugen. Wer ist aber bereit, bei Ausverkaufspreisen zuzugreifen! In sehr volatilen oder unsicheren Phasen kann der Anleger-Zyklus also durchaus eine Hilfe sein. Man darf ihn lediglich nicht überbewerten. Überzeugen Sie sich im Verlauf Ihrer Anlagegeschäfte selbst, ob und wann der Zyklus verlässlich war bzw. ist.

Der Psycho-Zyklus
Für manche Anleger wird die Börse zum permanenten „Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel“ oder gar zur „Psycho-Falle“. Ziehen die Märkte oder einzelne Teile davon nach oben, ist man oft unterinvestiert. Fällt die Börse nach unten, ist das Portfolio in der eigenen Empfindung meist zu gross.

Wenn die Logik bestechend klar ist, bringt sie oft wenig ein. Hat man jedoch ein intuitiv richtiges Gefühl, mangelt es häufig an einleuchtenden Argumenten für ein überzeugtes „Einsteigen“. Und brechen an der Börse gar „Jubel“ oder „Panik“ aus, braucht es beinahe schon eine übermenschliche Kraft, sich nicht von der jeweiligen Stimmung mitreissen zu lassen… gut, bei Jubel ist die Sache ungleich einfacher… ausser man zählt zu den Leerverkäufern. Letzteres empfiehlt sich im Übrigen nur für kapitalstarke Profis.

Am Markt gilt immer „P.O.M.P.“, also das „Prinzip vom (of) Minimum-Profit“: Die weitaus grösste Zahl der Marktteilnehmer soll mit dem möglichst geringsten Nutzen «davonkommen». Der Markt ist per se geizig und er will, wenn möglich, nicht viel hergeben. Börse beinhaltet viel Psychologie. Dabei gilt beispielsweise „MJT – Moral Judgement Test (moralisches Urteilen, Entscheiden und Handeln)“ als psychologisch wichtigster Einflussfaktor der Kursbewegung. In der psychologischen Betrachtung spiegeln sich selbstverständlich mit hoher Gewichtung auch die ökonomischen Realitäten. Aber je nach Stimmungslage werde diese einmal so und einmal so bewertet. Schlechte Nachrichten eines Unternehmens können bekanntlich – je nach Stimmung und abgesehen vom fundamentalen Ausblick  – steigende oder fallende Kurse nach sich ziehen.
Die MJT-Signale ergeben sich aus der Formation von drei mathematisch abgeleiteten Oszillatoren (Zustandsgrössen). Der Kursverlauf wird in kleine, mittlere und grössere Wellen zerlegt, welche für verschiedene Käufer- und Verkäufer-Gruppen typisch sind: Erste Welle = Trader, zweite Welle = Institutionelle und dritte Welle = das breite Publikum. Und, hilft uns diese MJT-Erkenntnis nun weiter? Kaum. Selbst wenn man ob der psychologischen Erkenntnisse im Klaren wäre, bleiben Börse und Anlage-Entscheidungen stets in einem gewissen Mass „unberechenbar“. Dennoch ist ein kurzer Exkurs in die Welt der Anleger-Psyche gewissermassen spannend… und vielleicht hilft es Ihnen, etwas feinmaschiger auf bevorstehende Anlage-Entscheide zu fokussieren?

Nachstehend nun noch der visuelle Anleger-Zyklus mit zusammengefasst 7 Marktstimmungen. Von unten nach oben: Ekel, vorsichtig optimistisch, optimistisch. Auf dem Top: Überzeugt. Von oben nach unten: vertrauensvoll zuversichtlich, beunruhigt, Kapitulation.

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